Ist es einfacher digital-nachhaltiger zu werden als öko-nachhaltiger?

Habe heute einen Vortrag von Matthias Stürmer (ETH SMI) gehört, wie es IBM “geschafft” hat, eine Community um die Eclipse-Programmierplattform herum aufzubauen. War sehr interessant. Die anschliessende Diskussion, bei der auch Marc Holitscher (MS) dabei war, kreiste u.a. um die spannende Frage, warum IBM das machte… (warme) Grosszügigkeit oder (kaltes) Investment?

Die Diskussion brachte mich zum Nachdenken, worin die Unterschiede bestehen, wenn eine Firma versucht “öko-nachhaltig” oder eben “digital nachhaltig” zu sein. Der folgende Vergleich hinkt natürlich (Äpfel und Birnen, sozusagen), deshalb also nur mal eine Meinung, die auch gerne in einem Kommentar zerrissen werden kann…

— Ja, ich glaube, es gibt einen Unterschied: Kosten. Ich vermute, dass es für eine Firma “vergleichsweise” billiger ist, digital nachhaltig zu werden als ökologisch, weil ersteres mit geringeren Kosten verbunden ist als letzteres. Das Wechseln von kostenpflichtigen digitalen Gütern auf nachhaltige digitale Lösungen, wie z.B. Open Source Software oder CreativeCommons-lizenzierter Content, ist für eine user-Firma mit nur geringen Kosten verbunden (im Vergleich zum Wechsel in die andere Richtung). Bio oder FairTrade einzukaufen oder CO2-Neutralität zu erreichen ist für eine Firma aber mit höheren Kosten verbunden als umgekehrt. (Zum Weiterdenken: IMHO hat das mit der Natur digitaler Güter zu tun: Sie sind immateriell und – im Naturzustand, also rechtstechnisch “unbehandelt” – ein öffentliches Gut.)

Im obigen Fall hat IBM durch diese Strategie Geld gespart: Eclipse freigeben, eine Stiftung mit weiteren Mitgliedern gründen, mittelfristig inhouse-Entwicklung an die community auslagern ? und gleichzeitig einen nachhaltigen Schritt vollzogen: Nämlich Wissen in Form von Quellcode allen zur Verfügung gestellt.

Dieser Akt schafft in der FOSS-community das, was eine Lebensmittelkette schafft, wenn sie nur noch Fairtrade-Kaffee anbietet: Goodwill. NB: Das muss in beiden Fällen mitnichten bedeuten, dass die Firma tatsächlich bewusst oder auch nur aus freien Stücken nachhaltig agierte!

Zu Ende gesponnen: Eine Firma, die komplett auf dem Geschäftsmodell proprietäre Software beruht, hat es genauso schwer sich in Richtung digitaler Nachhaltigkeit (Linux & Co.) zu verändern, wie eine Tabakfirma Schwierigkeiten hat, ihr Geschäftsmodell komplett zu ändern, nachdem sich unter den Kunden herumgesprochen hat, dass Rauchen langfristig krank macht. Und IBM verkauft eben Zigarettenautomaten…

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